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DER STANDARD, 06. November 1999


Spaß und Senilität: Volks- und Herzensbildung mit "Maschek"

Wien - Ausdrücklich sei an dieser Stelle einmal festgehalten: Unter einer neuen, ambitionierten Leitung exerziert das Wiener Schikaneder Kino vor, wie man in harten Zeiten wie diesen als kleines Lichtspieltheater mit Rahmenprogrammen, Lesungen, Kinderveranstaltungen und einem charmant heruntergekommenen Gastronomie-Angebot durchaus noch Nischen finden und füllen kann.

Am Samstag zum Beispiel wird ein Kleinkunst-Special der besonderen Art geboten: Maschek, drei Herrschaften, die mittlerweile durch Sendungen auf Radio Orange 94.0 und (leider schon wieder eingestellte) TV-Clips für TIV berüchtigte Berühmtheit erlangten, werden live das bieten, was sie selbst eher kryptisch so umschreiben: "infotainment für pensionistinnen und pensionäre jeden alters. animation für die alten naiven und alternden alternativen. volksbildung für alle auslandswienerinnen und -wiener. große kunst für die dame und den herrn von welt."

Hier ist wohl Aufklärung und weitere Anpreisung vonnöten: Maschek ist etwa die Erfahrung, die man macht, wenn man nach sehr viel Konsum von Loriot keine Cartoons oder Sketches mehr sehen kann, aber ein gewisses Unbehagen an den Schwafeleien des Alltags in die aktuelle Medienwelt mitgenommen hat. Keine lustigen Strichmännchen mehr! Dafür gegen den Strich gebürstete Konversations- und Sendungs-(Bewusstseins)-Klischees.

In wunderbar an den Haaren herbeigezogenen öffentlichen Grundsatzdiskussionen (z. B. über "Emulation und Retrosoziologie" oder "Bürowitze") und in findigem Umgang mit Found Footage-Bildern geraten Maschek stimmungsmäßig oft in geistige Nachbarschaft zu Projekt X oder Stermann und Grissemann. Ein wenig mehr Eigenständigkeit, Schärfe und Unbequemlichkeit wird die weitere Praxis also schon noch hervor bringen müssen. Und auf dem Weg dorthin kann man diese Künstler mit Zukunft unterstützen und ermutigen! Am Samstag zum Beispiel. (cp)
6. 11., Schikaneder, 4., Margaretenstraße 24, 587 02 62. 21.00


DER STANDARD, 6./7.November 1999


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